Urban Fantasy
Das Siegel der Lotsin
Sechs Monate ist es her, dass Mariellas Zwillingsbruder Nathan gestorben ist. Doch immer noch sieht Mariella ihn, spricht sogar an ihrem 16. Geburtstag mit ihm, als wäre nichts geschehen. Nathans Geist sitzt auf der Erde fest, weil das Tor zum Archiv der Seelen verschlossen ist. In Mariella entsteht eine Engelsenergie, die es seit einem Jahrhundert nicht gegeben hat. Sie ist der Engel des Todes und dafür zuständig, die Geister der Verstorbenen ins Archiv zu lotsen. Doch um Nathan zu helfen, muss sie erst herausfinden, wie sie diese Fähigkeit anwenden kann. Mariella taucht tief in eine Welt zwischen Leben, Tod und Wiedergeburt ein. Dabei trifft sie auf Finn, einen Engelslegionär, der nerviger Bremsklotz und loyale Rückendeckung zugleich ist.
Die Zeit drängt, denn auch andere Mächte zerren an Nathan. Um ihn zu retten, bleibt Mariella nur ein Ausweg. Aber der hat einen Preis.
Urban-Fantasy trifft Portal-Fantasy. Ein Roman zwischen Erde, Engelsakademie und verborgener Welten. Für alle, die Coming-of-Age und moderne Magie lieben.

Stimmen meiner Testleser
Der Roman ist noch unveröffentlicht, aber ich habe das Manuskript meinen Testlesern zu lesen gegeben. Ihre positiven Rückmeldungen freuen mich sehr.
»Ein Roman voller Hoffnung und Optimismus und eine Welt, die zum Nachdenken anregt. Ein Schlagabtausch voller überraschender Wendungen.«
Katja
»Mira entwirft eine Welt, die sich mir fast von selbst erschließt, ohne lange Beschreibungen oder Erklärungen. Die Erzählung bezaubert, macht Hoffnung und weckt meine Neugier auf mehr.«
Marina
»Ich habe mit den Figuren gelacht, geweint und bin ihnen bis in den hintersten Winkel der Engelswelt gefolgt.«
Ines
Manuskriptprobe
Der Roman ist noch unveröffentlicht, aber ich habe für dich schon eine Leseprobe!
Kapitel 1
Unter den Toten und den Lebenden
An jenem Morgen auf dem Friedhof wusste ich noch nicht, dass die Seelen der Toten auf mich angewiesen waren. Ich zupfte an den Ärmeln meines schwarzen Kleides, pulte einen Faden hervor und zwirbelte ihn um meinen Zeigefinger. Das Garn schnürte mein Blut ab. Abwesend betrachtete ich die weiße Linie auf meiner Fingerkuppe und strich über die Sonnenblume, die ich in der anderen Hand hielt. Die Worte des Trauerredners schallten an mir vorbei, bildeten keinen Nachhall in mir. Leute gingen umher, stellten sich an der Längsseite des Sarges auf. Nathan lag in dieser Kiste, die mit einem Gebinde aus weißen Lilien geschmückt war und langsam im Boden versenkt wurde. Die Luft blieb in meiner Kehle stecken. Ich zerrte an meinem Ausschnitt und atmete tief ein. Mama und Papa traten an die Grube. Mein Vater löste seinen Arm von der Taille meiner Mutter und zog ein Notizbuch aus seiner Tasche. Er ließ es in das Grab fallen und flüsterte etwas. In meinen Ohren rauschte es so laut, dass ich ihn nicht hörte. Dann griff er nach der Schaufel und kippte eine Schippe Sand auf den Sarg. Mama überließ Nathan eine weiße Rose, und dann stellten sie sich an die Seite. Jemand legte eine Hand auf meinen Rücken und schob mich sanft vor. Am Rande meines Verstandes registrierte ich, dass meine beste Freundin Zoe mit mir an das Grab trat. Dankbar ließ ich mich von ihr führen. Mit dem Körper in dem Sarg identifizierte ich nicht meinen Bruder. Sein Lachen, seine Sturheit, seine Unerschrockenheit und seine Lebensfreude – in dieser Kiste, in den Boden versenkt. Unvorstellbar. Meine Finger krampften sich um die Sonnenblume, und ich starrte hinab auf den Sand, der die Blütenkelche der Lilien zerknickte. Ich zwang meine Hand, den Stiel loszulassen. Mein Sichtfeld verengte sich. Schwarze Nebelschwaden schienen von rechts und links herbeizuwirbeln, um das Bild vor mir auszulöschen. Damit ich nicht sehen musste, wie mein Bruder verschwand und mit ihm alles, was ich kannte und mir vertraut war. In seinen klaren grünen Augen, die den meinen glichen, würde nie wieder der Schalk glänzen. Niemals wieder würde er meine Bürste stibitzen, um die braunen Locken zu bändigen, die wir ebenfalls teilten, die ihm aber nur bis zu den Augenbrauen und nicht über die Schultern reichten. Nathan war elf Minuten vor mir in das Leben gestartet. Wie konnte es sein, dass er nicht mehr da war? Inzwischen sieben Tage.
Viele Menschen schüttelten meine Hand und flüsterten Beileidsbekundungen, bevor sie dem Friedhofsweg folgten, der sie zum Café führte, in dem der Leichenschmaus stattfand. Ich folgte dem Druck an meinem Arm und fand mich an einem Tisch wieder, der mit weißem Porzellan eingedeckt war. Meine Mutter saß rechts von mir, und Zoe nahm zu meiner Linken Platz. Die Trauergäste verteilten sich im Raum. Kellner stellten Kuchenplatten auf die Tische und notierten die Getränkewünsche. Die Gespräche schwollen an, Nathans Name schallte zu mir hinüber. Irgendjemand reichte mir einen Kaffee. Appetitlos stocherte ich in dem Kirschkuchen herum. Nathans Lieblingskuchen. Die Starre der Tischordnung löste sich auf, die Terrassentür wurde aufgeschoben, sodass eine Brise den Raum erfrischte. Zoe gesellte sich zu unseren Klassenkameraden in den Sonnenschein. Papa verließ den Tisch und verabschiedete die ersten Gäste. Ich ging auf die Terrasse, und das Sonnenlicht wärmte mein Gesicht. Eine Anekdote über Nathan, in der er die Tür unseres Klassenzimmers verbarrikadiert hatte, drang an mein Ohr. Ein Pflanzenkübel gab mir Deckung, sodass ich mich an den Gesprächen nicht beteiligen musste. Versteckt kauerte ich hinter dem Farn, schloss die Augen und nahm meinen Bruder wahr. Über unser Zwillingsband, wie Papa die Verbindung zwischen uns nannte, spürte ich seine Anwesenheit. Mein Atem stockte, meine Augenlider hoben sich, doch neben mir hingen nur die Farnwedel.
Die Trauerfeier, an der ich teilnahm, und das Band, das sich tief in meinem Inneren verbarg, bekam ich nicht unter einen Hut. Ich erinnerte mich daran, dass wir ihn beerdigt hatten, versuchte, die beiden Realitäten, die ich wahrnahm, in Einklang zu bringen. Pflanzenkübel, Farn, Kirschkuchen. Tonlos benannte ich die Dinge, die ich sah, probierte, mich in der Welt zu verankern, beobachtete das Geschehen um mich herum. Papa hatte irgendjemanden zum Auto gebracht, er betrat die Terrasse von der Treppe, die zum Parkplatz führte, und wurde von Zoe abgefangen. Ihre Worte schienen überlaut zu mir zu schallen.
»Immanuel, ich verstehe das alles immer noch nicht. Es war noch nicht seine Zeit. Er hatte noch so viele Kapitel vor sich. Der Lkw stand auch nicht in der Abschrift seines Buches.«
Vater runzelte die Stirn. »Wir haben nur einen begrenzten Einblick. Die Zusammenfassungen geben nicht alle Bestandteile eines Lebens wider, aber das hast du doch in der Vorbereitung für dein Praktikum gelernt.«
»Ja, aber so etwas Einschneidendes? Das hätte da doch drinstehen müssen«, entgegnete meine beste Freundin.
Der Kellner trat auf die Terrasse, und Zoe verstummte.
Wie ein Blatt, das vom Wind ergriffen wurde, flogen die Worte an mir vorbei, hinterließen ein kurzes Aufleuchten in meinem Bewusstsein und verschwanden dann wie alle Eindrücke von diesem Tag. Das Gefühl, Nathan stünde neben mir, ließ alle anderen Wahrnehmungen verblassen.
Aus »Das Siegel der Lotsin« von Mira Nevian

Schreiben prägt meinen Tag. Morgens fülle ich die Morgenseiten. Vormittags schreibe ich am Roman und nachmittags kritzle ich Ideen auf Karteikarten. Abends notiere ich, wofür ich dankbar bin – den Tag über halte ich To-dos in meinem Bullet Journal fest.
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